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2009-12-04

Neue vfdb-Richtlinie geplant: Keine Chance für "schlechte" Rauchwarnmelder

Mit einem neuen vfdb-Qualitätslabel wollen die Mitglieder des Forums Brandrauchprävention in der vfdb die Qualität von Rauchwarnmeldern sichern. Hohe Detektionssicherheit und geringe Störanfälligkeit zu garantieren, sind die Ziele, die mit den hierzu geplanten vfdb-Richtlinien verfolgt werden. Wir haben Norbert Schaaf, den BHE-Vorstandsvorsitzenden, dazu befragt.

Um einen Nachweis über die Qualität ihrer Rauchwarnmelder zu erhalten, können Hersteller diese schon heute von einem unabhängigen, akkreditierten und notifizierten Prüfinstitut wie VdS Schadenverhütung nach VdS und nach der Produktnorm DIN EN 14604 zertifizieren lassen. Was ist der Hintergrund für den Vorstoß zur Einführung eines neuen Qualitätslabels?

Norbert Schaaf: Hersteller, die Qualitäts-

Norbert Schaaf, BHE-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Atral-Secal GmbH in Hofheim-Wallau (Kontakt: n.schaaf@atral.de). Der Hersteller ist unter anderem Mitglied im Forum Brandrauchprävention in der vfdb (Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V.), welche die Initiative "Rauchmelder retten Leben", betreibt. Schaaf berichtete anlässlich der Essener Sicherheitstage des BHE im Oktober über neue Richtlinien der vfdb, mit deren Hilfe die Hersteller ein neues Geräte-Qualitätslabel für Rauchwarnmelder im Markt etablieren wollen.
Rauchwarnmelder liefern wollen, haben in Europa keine Chance gegen low-quality-Melder aus dem außereuropäischen Ausland. Es geht aber nicht darum, Fernost-Produkte vom Markt abzuwehren - das könnten wir gar nicht. Es geht schlicht und einfach darum, mehr Qualität im Markt sicherzustellen. Ein Verbraucher, der einen Rauchwarnmelder kauft, muss erwarten können, dass dieser funktioniert. Er kauft eine Funktion, die eventuell sein Leben retten kann. Da ist über mangelnde Qualität sicher nicht zu diskutieren. Nach Marktanalysen werden etwa die Hälfte aller Rauchwarnmelder über Baumärkte vertrieben, wobei die meisten davon aus China kommen. Wenn diese jedoch, wie die Erfahrung lehrt, häufig nicht richtig funktionieren, hat ein höherpreisiger Qualitätsmelder eine Berechtigung. Die angesprochene DIN EN 14604, durch die Rauchwarnmelder für den Einsatz in Wohnräumen und in Räumen mit wohnungsähnlicher Nutzung definiert werden, ist jedoch keine Qualitätsnorm. Sie ist relevant für die Inverkehrbringung. Seit August 2008 dürfen in Deutschland - und Europa - nur Rauchwarnmelder nach dieser DIN in den Verkehr gebracht werden - einschließlich der neuen CE-Kennzeichnung CPD - Construction Products Directive bzw. auf deutsch BPR - Bauproduktenrichtlinie -, die Teil der Norm ist. Auch VdS prüft nicht über die DIN EN 14604 hinaus, VdS-anerkannte Melder erfüllen somit ebenfalls nur die Mindestanforderungen nach dieser Norm. Mit den neuen vfdb-Richtlinien soll nun eine schärfere Abgrenzung gegenüber fragwürdigen Produkten erreicht werden.

Was sind eigentlich die konkreten Gefahren beim Einsatz von low-cost-Meldern?

Norbert Schaaf: Ein Blick nach Großbritannien verdeutlicht, weshalb die Initiative "Rauchmelder retten Leben" jetzt im Sinne des Wortes die Initiative ergriffen hat. In Großbritannien wurde 1995 die Rauchwarnmelderpflicht eingeführt. Das Ergebnis nach zehn Jahren war, dass von 25.617.000 Wohneinheiten rund 80% mit Rauchwarnmeldern ausgestattet waren, davon 42% mit Batterie- und 58% mit Netzbetrieb. Dies geht aus der UK Feuer-Statistik 2005 hervor, die vom Amt des stellvertretenden Premierministers veröffentlicht wurde. Erschreckend ist, dass 24% dieser Melder, das heißt rund ein Viertel, laut der Statistik im Gefahrenfall keinen Alarm gaben, etwa weil die Rauchpartikel den Detektor nicht erreichten oder weil die Batterie ausfiel oder fehlte. Es gab 313 Todesfälle und 7.631 Verletzte bei Bränden, in denen keine Melder installiert waren oder diese nicht funktionstüchtig waren. Zurzeit haben hierzulande acht Bundesländer die Rauchwarnmelderpflicht eingeführt. Wenn sie in den kommenden Jahren in allen Bundesländern gilt, werden rund 140 Millionen Rauchwarnmelder benötigt. Die Zahl ergibt sich aus der Anzahl der auszustattenden Wohneinheiten. Angesichts solcher Stückzahlen möchten wir mit Hilfe des neuen Gütesiegels vorbeugen, um Ausfallquoten wie in Großbritannien zu vermeiden.

Wie soll dieses Ziel erreicht werden, worin übersteigen die geplanten vfdb-Richtlinien dazu bisherige Prüfanforderungen?

Norbert Schaaf: Die neuen vfdb-Richtlinien, die voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2010 erscheinen, setzen auf die DIN EN 14604 : 2009-02 auf und sind ein Qualitäts-add-on. Sie legen Anforderungen, Prüfverfahren und Leistungsmerkmale für Rauchwarnmelder zur Verwendung im privaten Bereich innerhalb von Gebäuden fest, die zusätzlich zu denjenigen gemäß der nach Bauproduktenrecht der Europäischen Union harmonisierten EN 14604 gelten. Zusätzlich werden Anforderungen an die Prüfinstitute gestellt. Prüfungen nach diesen Richtlinien dürfen nur von einer hierfür akkreditierten Prüfstelle durchgeführt werden. Notified bodies in Deutschland sind derzeit VdS in Köln und die KRIWAN Testzentrum GmbH & Co. KG in Forchtenberg. Zur Produktprüfung wird darüber hinaus eine Marktüberwachung durch diese Prüfinstitute hinzu kommen. Zusätzliche Anforderungen an die Melder sind zum Beispiel, dass die Batterielebensdauer mindestens zehn Jahre betragen muss. Die Batterien müssen zudem fest eingebaut sein und dürfen mit einfachen Mitteln nicht austauschbar sein. Durch verschiedene Klimabeanspruchungen wird die Stabilität der Detektionseigenschaften überprüft, die während der gesamten Lebensdauer des Gerätes natürlich erhalten bleiben muss. Um eine maximale Immunität gegen Fremdeinflüsse sicherzustellen, die zu Fehl-oder Täuschungsalarmen führen können, werden weitere Anforderungen gestellt, beispielsweise wird nach den Richtlinien künftig unter anderem ein besserer Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern gefordert. Bisher sind nach EN 14604 Öffnungen in Rauchwarnmeldern von maximal 1,2 mm - und zwar in einer Richtung zulässig. Theoretisch möglich wäre daher eine Öffnung von 1,2 mm Breite und 5 cm Länge. Hier könnte beispielsweise eine Spinne eindringen. Diese Ungenauigkeit ist eigentlich ein Fehler in der Norm, aber in den vfdb-Richtlinien jetzt genau beschrieben. Ein weiterer Punkt: Die Störfestigkeitsprüfungen werden verschärft durch höhere Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit. Der Wert für abgestrahlte Leistung von elektromagnetischen Feldern wird von 10 V/m auf 30 V/m erhöht. Damit wird der Entwicklung Rechnung getragen, die mit dem steigenden Einsatz von elektrischen Verbrauchern, wie Stromsparlampen oder Vorschaltgeräten einhergeht. Dies wird nach bisheriger Norm in den Prüfungen nicht erfasst. Wenn jeder Rauchwarnmelder nur einen falschen Alarm pro Jahr verursacht, bedeutet dies mehrere Millionen Alarme.

Auch die Anwendungsnorm DIN 14676 für Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung von Rauchwarnmeldern wird derzeit überarbeitet. Was bedeutet dies zusätzlich für die Qualitätssituation im Markt?

Norbert Schaaf: Die überarbeitete Norm - ich gehe davon aus, dass sie Anfang 2011 erscheint - wird unter anderem einen Kompetenznachweis von Dienstleistern, zu denen auch Elektriker zählen, vorsehen. Es wird eine neue, zielorientierte Definition für die Sicht- sowie Alarmprüfung geben. Dies bedeutet, ein Rauchwarnmelder muss laut Anforderung zu jeder Zeit detektieren und alarmieren können, wobei die Norm offen lässt, wie dieses Ziel erreicht wird. Auch der Anwendungsbereich wird näher spezifiziert und differenziert werden. Jetzt werden auch informative Angaben für die Überwachung von Treppenhäusern oder gemeinschaftlich genutzten Bereichen gemacht. Es wird klar beschrieben werden, wo ,wie und was gemacht werden soll oder muss. Die Themen Vernetzung, Funkübertragung werden beschrieben. Ebenfalls neu ist die Einführung spezieller Prüfkriterien zur Montage von Rauchwarnmeldern an der Decke. Das Befestigungsproblem war bisher nicht Inhalt der Norm. Mit all diesen und weiteren zusätzlichen Kriterien soll eine Verbesserung der Qualitätssituation im Markt erreicht werden. Insgesamt wird durch die überarbeitete DIN 14676 auch klarer werden, was ein Rauchwarnmelder und was eine Brandmeldeanlage ist.



Für mehr Sicherheit für Rauchwarnmelder setzen sich die Mitglieder in der vfdb ein, welche die Initiative "Rauchmelder retten Leben" betreibt. Quelle/Bild: www.rauchmelder-lebensretter.de
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