ImpressumMediatatenHomeSuche
2009-06-16

ZVEI-Statistik: Elektronische Sicherheitssysteme noch nicht in der Krise

Die Anbieter von elektronischer Sicherheitstechnik haben noch einige Monate Zeit, um sich auf die Wirtschaftsflaute einzustellen. Nach den Prognosen des Fachverbands Sicherheitssysteme im ZVEI wird der Rückgang im Bausektor erst ab 2010 durchschlagen und den Branchenumsatz dann um bis zu 3% mindern. Im laufenden Jahr rechnet der Industrieverband, wie anlässlich der Jahrespressekonferenz im Juni mitgeteilt wurde, mit einem stabilen Umsatz. Dazu beitragen sollen auch Impulse durch jetzt aufgelegte staatliche Investitionsprogramme für öffentliche Gebäude.

Langfristig ist die Branche, wie Gert van Iperen, Vorsitzender des Fachverbandes, mitteilte, optimistisch, wieder deutlich wachsen zu können. Nach wie vor habe die deutsche Sicherheitswirtschaft in einigen Bereichen -- er nannte als Beispiele Sensorik und Biometrie -- einen Entwicklungsvorsprung von zwei oder drei Jahren gegenüber ausländischen Wettbewerbern.
Mit 2008 waren die Hersteller, wie Angelika Staimer, Vorsitzende des Lenkungsausschusses des Verbandes feststellte, »zufrieden, auch wenn gegen Ende des Jahres schwarze Wolken am Horizont aufgezogen sind«. Der Branchenumsatz stieg von 3,4% auf 2,481 Mrd. EUR. Das mit Abstand größte Segment im Markt der elektronischen Sicherheitssysteme stellen weiterhin die Brandmeldeanlagen dar (2008: +5,2% auf 1,059 Mrd. EUR Jahresumsatz). Prozentual vergleichbar stiegen auch die Bereiche Zutrittsmanagement (+5,6% auf 226 Mio. EUR) und Video (+5,3% auf 360 Mio. EUR). Kleine Einbußen gab es beim zweitwichtigsten Bereich der Branche, dem Markt für Überfall- und Einbruchmeldeanlagen (-0,5% auf 633 Mio. EUR). Als Grund der Stagnation wurde unter anderem die wachsende Marktbedeutung integrierter Sicherheitssysteme genannt, bei denen die Einbruchmeldetechnik nur Subsystem von Videoüberwachungs- oder Zutrittskontrolllösungen ist. Als wichtigen Trend nannte Staimer, die wachsende Bedeutung der Dienstleistung, also von Installation und Instandhaltung. Bei den Brandmeldeanlagen werden inzwischen 60% der Umsätze mit Dienstleistungen erzielt (40% durch Geräteverkauf), bei Überfall- und Einbruchmeldeanlagen sind es 63%. Jeweils etwa zwei Drittel der Dienstleistungsumsätze entfallen auf die Instandhaltung.

Der Markt für elektronische Sicherheitstechnik Deutschland 2008

(Gesamtmarktvolumen: 2,481 Mrd. EUR)

Umsatzermittlung beruht auf Endkundenpreisen


Beim Thema Rauchwarnmelder bleibt der ZVEI am Ball. Auch wenn der Markt für Heimrauchmelder zum Großteil von Importeuren bedient werde, forciere der Verband, so van Iperen, weiter eine flächendeckende Rauchwarnmelderpflicht in Deutschland. Nach einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Internetportals »ImmobilienScout24« sei die Ausstattung im Wohnbereich nach wie vor zu gering: In zwei Drittel der Mietwohnungen und in 40% der von Eigentümern genutzten Wohnungen und Häuser seien bislang keine Rauchmelder installiert. Van Iperen: »Das Bewusstsein für die Gefahren des Rauchs muss weiter zunehmen. In Ländern wie den USA ist die Zahl der Brandtoten mit einem entsprechenden Gesetz um bis zu 40% gesunken.« Möglicherweise kann sich aufbauend auf einer flächendeckenden Verbreitung von Heimrauchmeldern auch eine interessante Entwicklung für die einheimischen Anbieter ergeben. So beschäftige sich die aktuelle Sicherheitsforschung unter anderem damit, die Melder als Rückgrat eines bundesweiten Alarmierungssystems zu nutzen. Van Iperen: »Für diese kostengünstige, effiziente Lösung müssen die Melder lediglich mit einem zusätzlichen Warnchip ausgestattet werden. Bei einer - außerordentlich wünschenswerten - bundesweit geltenden Rauchmelderpflicht wäre schnell ein Alarmierungs-

Im Wortlaut:

Industrie und Politik sollten zusammen eine Strategie erarbeiten, um Deutschland weltweit als Innovationstreiber in der Sicherheitstechnik zu etablieren und damit die neuen Technologien schneller für die Sicherheit im öffentlichen und privaten Bereich verfügbar zu machen. ... Deutsche Unternehmen müssen mit national entwickelten Lösungen europa- und weltweit Standards setzen. Vorbild für ein solches Konzept kann etwa der »Masterplan Sicherheitswirtschaft und -forschung« der Landesregierungen Berlin und Brandenburg sein. Auf nationaler Ebene wäre die Einrichtung eines »Think Tanks Sicherheit« ein erster richtungsweisender Schritt. Wichtig ist auch, die Akzeptanz von neuen Technologien zu erhöhen. Ein Ansatz dazu kann das öffentliche Vergabewesen bilden. Hier wird bislang aber noch äußerst konservativ agiert.

Eine nationale Strategie muss folgende Ziele verfolgen:
  • Sicherheitstechnik und -dienstleistungen müssen in Deutschland ein Leitmarkt werden.
  • Forschung muss eng vernetzt mit Industrie, Hochschulen und »Think tanks« erfolgen.
  • Deutsche Firmen sind bei der Projektarbeit besser zu unterstützen und sollten die Führungsrolle übernehmen.
  • Zudem gilt es für die Bundesregierung, europäische Foren auch im Rahmen der Normenarbeit besser zu nutzen. Die umfangreichen Handlungsempfehlungen der Studie des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützen wir in vollem Umfang.
Gert van Iperen, Vorsitzender des FV Sicherheitssysteme
management zu realisieren, das im Katastrophenfall oder bei terroristischen Angriffen zuverlässig warnt.«

Weitere Themen der Pressekonferenz, die in der neuen Rhein-Neckar-Arena, der Spielstätte des Fußball-Bundesligisten TSV Hoffenheim 1899, in Sinsheim stattfand, waren das Zusammenspiel verschiedener Sicherheitstechniken (am Beispiel des Veranstaltungsortes), natürliche Lüftung durch den Einsatz von Rauch-Wärme-Abzugsanlagen (RWA), die Leistungsfähigkeit moderner Videoüberwachungstechnik und die Abwehrmöglichkeiten aktueller Spionagegefahren durch Nachrichtendienste und Wettbewerber.
Informiert wurde bei der Pressekonferenz auch über eine organisatorische Stärkung des Fachverbands, der unter dem Vorstand nun einen Lenkungskreis für das operative Geschäft eingerichtet hat. Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden Gert van Iperen (CEO von Bosch Sicherheitssysteme) sind Uwe Bartmann (Geschäftsführer Deutschland von Siemens Building Technologies) und Dirk Dingfelder (Vorstandsvorsitzender der D+H Mechatronic AG). Die bisherige Fachverbandsvorsitzerin Angelika Staimer (Siemens Building Technologies) wurde Vorsitzende des Lenkungskreises. Ihr Stellvertreter ist Michael von Foerster (Bosch Sicherheitssysteme). ges
Interessante Links: