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2009-06-20

Interoperabilität: Mehr Sicherheit durch das Zusammenspiel

Digitale Systeme dominieren heute die Sicherheitstechnik. Und ihre vielfältigen Möglichkeiten werden kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei prägt besonders ein aktueller Trend das Bild: Interoperabilität, also die Fähigkeit des Zusammenwirkens von verschiedenen Sicherheitsprodukten und -systemen aus Videotechnik, Einbruchmeldung und Zutrittskontrolle.

Von Martin Scherrer, Karlsruhe


Was bedeutet Interoperabilität
Während sich »Integration« im Sicherheitsbereich im Allgemeinen auf das Zusammenführen von einzelnen Teilen in ein Gesamtsystem bezieht, beschreibt »Interoperabilität« die Zusammenarbeit verschiedenartiger Produkte und Systeme. In den Anlagen gibt es physikalische-, Versions- und Protokollabhängigkeiten. Da es im Security-Bereich nur wenige Protokollstandards gibt und diese nur einen Teil der Funktionalität abdecken, ist die Interoperabilität immer noch eine große Herausforderung für die Lieferanten. In Zusammenhang mit der Sicherheitstechnik spricht man vor allem dann von Interoperabilität, wenn die Produkte/Systeme von verschiedenen Herstellern zueinander kompatibel sind. Somit erreicht man die Fähigkeit, die Systeme möglichst nahtlos zusammenzuführen, ohne dass dazu gesonderte Absprachen zwischen den Herstellern notwendig sind. Verschiedenste Sicherheitsfunktionen lassen sich somit kombinieren und über eine einheitliche Bedienoberfläche steuern und verwalten. Ziel ist es, dass die Interoperabilität für den Nutzer automatisch und unsichtbar abläuft.
Mit immer neuen technischen Möglichkeiten steigen auch die Ansprüche an die Sicherheitstechnik. Der Trend geht zu integrierten Systemen, die über die Grenzen reiner Sicherheitsfunktionen hinausgehen. Der Markt reagiert auf diese Anforderungen mit der konsequenten Verknüpfung verschiedener Systeme. Dadurch werden Synergien in allen Schlüsselbereichen der elektronischen Sicherheitstechnik ermöglicht, bei Video- und Zutrittskontrollsystemen genauso wie bei der Leitstellentechnik sowie bei Einbruch- und Brandmeldeanlagen. So lässt sich beispielsweise das selbe System während der Öffnungszeiten als Zutrittskontrollsystem und nach Betriebsschluss als Einbruchmeldeanlage einsetzen. Eingebunden sind dann vielleicht noch Überwachungskameras, die Livebilder über eine gesicherte Leitung an eine Leitstelle schicken. Dort wird der Alarm verifiziert und die erforderlichen Sofortmaßnahmen werden eingeleitet. Die entscheidenden Vorteile von interoperablen Lösungen sind ein stark erhöhtes Sicherheitsniveau sowie eine einfache und übersichtliche Bedienung über ein einheitliches Front-End. Auch die Kombination mit Systemen anderer Gewerke, wie etwa der Gebäudeautomation, ist möglich und sinnvoll. Interoperabilität reduziert die Betriebskosten. Durch die höhere Kompatibilität kann der Kunde Produkte von verschiedenen Herstellern auswählen, der Installations- und Serviceaufwand wird geringer, die Administration und die Fehlersuche einfacher, eine Migration zu neuen Technologien wird ermöglicht. Auch die Anlagenkomplexität sinkt, wenn beim Produktentstehungsprozess (Interoperabilität by Design) bereits darauf geachtet wurde, dass Funktionalitäten wie Autodiscovery (automatisches Erkennen der Geräte im System), das Lesen von Konfigurationsdaten, das Subskribieren auf Ereignisse einer anderen Disziplin, einheitliche Konfigurationstools oder ein Logbuch für Systemmeldungen aller Gewerke zu einfacheren Fehlersuche implementiert werden.
Je umfassender die Einsatzmöglichkeiten eines Sicherheitssystems mit den verschiedenen Gewerken wird, desto stärker verschiebt sich deren Einsatz aus einem einzelnen Gebäude heraus auf weitverzweigte Netzwerke. Das bedingt, dass Fachleute aus den Bereichen IT und Sicherheit die anstehenden Fragen zu Kompatibilität, Bandbreite und Sicherheit der genutzten Netzwerke gemeinsam klären müssen.
Durch den unmittelbaren Datenaustausch, zum Beispiel zwischen einem intelligenten Videosystem und der Zutrittskontrolle, erhöht sich das Sicherheitsniveau enorm. Videobilder bis hin zur biometrischen Gesichtserkennung können unmittelbar Einfluss auf die Passierbarkeit eines Zutrittsystems nehmen. Optimierend wirken sie als zusätzlicher Sicherheitsfaktor. Die erfolgreiche Vernetzung garantiert in einer Notsituation zudem schnellere und präzisere Gegenmaßnahmen. Auch die Anbindung einer Einbruch- oder Brandmeldeanlage an das kombinierte Zutrittskontroll-Videosystem ist möglich. So kann man durch logische Verknüpfungen zwischen einem Videosensor und einem Einbruchmeldesensor (zum Beispiel Passiv Infrarot Melder) die Detektionsgüte erheblich verbessern und die Fehlalarmrate reduzieren. Im interoperablen Zusammenspiel von Gebäudesicherheit und -automation [Bild] bieten sich weitere Vorteile: Meldet etwa das Video- bzw. das Zutrittskontrollsystem, dass sich keine Person in dem entsprechenden Gebäudeteil aufhält, kann die angebundene Automatisierungstechnik dort automatisch die Raumtemperatur absenken und die Beleuchtung ausschalten.

Offene Standards gefragt
Eine wesentliche Voraussetzung für Interoperabilität und integrierte Gesamtlösungen sind offene Standards. Dies haben auch die Hersteller erkannt und haben für die Harmonisierung der Kommunikation und Datenstrukturen jüngst verschiedene Initiativen gestartet, die sich auf eine Disziplin oder auf eine multi-disziplinäre Kommunikation fokussieren. Hierzu zählen unter anderem: SIA Security Industry Association, PSIA Physical Security Interoperability Alliance, ONVIF Open Network Video Interface Forum etc. Welche Standards sich im Security Markt durchsetzen bleibt abzuwarten.
Man kann davon ausgehen, dass die Hersteller von Sicherheitsprodukten mehrere Protokolle unterstützen müssen. In der Gebäudetechnik oder Automatisierung hat sich bereits das von Hersteller und Technologie unabhängige Kommunikationsprotokoll BACnet (internationaler ISO Standard 16484-5) durchgesetzt. BACnet ermöglicht es Geräten unterschiedlichster Herkunft, miteinander zu kommunizieren und bindet sie damit in die entsprechenden Prozesse der Gebäudeautomatisierung ein. Die Zutritt-, Brand- und Einbruchmeldetechnik sind bereits im Standard enthalten; die Videotechnik befindet sich in der Definitionsphase. Durch die verstärkte Verschmelzung von Gebäudeautomatisierung, Brandmeldetechnik und Sicherheitstechnik nimmt der Anteil an Neubauten mit BACnet-Installationen zu - Tendenz steigend. Siemens arbeitet aktiv bei der Standardisierung mit und hat im Zuge der digitalen Revolution frühzeitig begonnen, die heterogenen Systeme via Standards zusammenzuführen und berücksichtigt die Interoperabilität bereits im Produktentstehungsprozess.

Fazit
Eine ganzheitliche Sichtweise setzt sich durch: So fordern die Betreiber sicherheitstechnischer Anlagen zunehmend Produkte und Systeme, die sich harmonisch in ihre vorhandene IT-Infrastruktur integrieren lassen. Basis hierfür ist die Interoperabilität. Im Bereich der Sicherheitstechnik ermöglicht dies integrierte Gesamtlösungen, die im Vergleich zu unabhängigen Insellösungen ein erheblich höheres Sicherheitsniveau und erweiterte Funktionen bieten. Weitere Vorteile ergeben sich aus der Kombination mit Systemen anderer Gewerke wie etwa der Gebäudeautomation.


Über unseren Autor:
Dipl.-Ing (FH) Martin Scherrer, ist Senior Product Manager für Security Products (Video, Zutrittskontrolle und Einbruchmeldetechnik) bei Siemens Building Technologies Fire & Security Products. Seit 1994 ist er in verschiedensten Positionen wie Entwicklung, Projektleitung, Engineering und Produktmanagement im Bereich Sicherheitstechnik tätig. Kontakt:info-fsp.de.sbt@siemens.com
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