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2008-04-11

Kriminalstatistiken der Bundesländer: Deliktzahlen wenig verändert

Die Kriminalitätsbelastung in Deutschland hat sich 2007 gegenüber dem Vorjahr nur sehr wenig verändert. Hochgerechnet aus den Kriminalstatistiken der Bundesländer für 2007 ergibt sich ein Minus von 0,3% bei den Straftaten gegenüber dem Vorjahr. 2006 und 2005 waren die Rückgänge mit -1,4% bzw. -3,1% deutlicher ausgefallen.

Auch in den Bundesländern zeigen die Zahlen, abgesehen vom bevölkerungsärmsten Bundesland, dem Saarland (-6,8%), keine dramatischen Entwicklungen, weder nach oben noch nach unten. Die Bandbreite der Veränderungen reicht in den übrigen Bundesländern von -3,5% in Rheinland-Pfalz bis + 1,7% in Brandenburg. Bei den meisten Bundesländern ist bei den Veränderungsraten aber eine 0 vor dem Komma. Auch beim Ranking der Bundesländer hinsichtlich der Kriminalitätsbelastung gab es nur geringfügige Änderungen, Saarland und Rheinland-Pfalz rückten zulasten von Sachsen nach vorne, Brandenburg zugunsten von Sachsen-Anhalt einen nach hinten. Die wenigsten Delikte je 100.000 Einwohner (Häufigkeitszahl) wurden 2007 -- wie schon in den Jahren zuvor -- in Bayern registriert. Am Ende stehen die Stadtstaaten, in denen sich unter anderem auswirkt, dass hier mehr Tatgelegenheiten vorhanden sind als in den Flächenländern. Deutsches Schlusslicht ist Berlin, doch international ist die Hauptstadt, wie Innensenator Körting bei der Vorstellung der Zahlen mitteilte, "eine der sichersten Metropolen der Welt".
In den einzelnen Deliktgruppen gab es aber durchaus größere Schwankungen. Baden-Württembergs Innenminister Rech wies beispielsweise darauf hin, dass sich der neue Straftatbestand »Nachstellen« (Stalking) erstmals auch in der Statistik niederschlage: 1.125 Fälle wurden in seinem Bundesland verfolgt. Deutlich gehäuft haben sich im Südwesten auch die illegalen Grenzübertritte, allerdings handle es sich dabei vor allem um sogenanntes Reiseshopping von Nicht-EU-Touristen aus der Schweiz. Auch die Fallzahlen bei der Gewaltkriminalität sind hier gestiegen. Insbesondere Täter unter 21 Jahren seien dafür verantwortlich, auf sie entfallen in Baden-Württemberg mittlerweile 46% der Gewaltstraftaten. Vor allem anlassunabhängige Recherchen der Polizei im Web sorgten zudem für einen Anstieg bei der Internetkriminalität (+25%). Rückgänge bei den Fallzahlen gab es dagegen bei der Diebstahls-, Rauschgift- und Betrugskriminalität. Der festgestellte Schaden bei wirtschaftskriminellen Handlungen sei allerdings gestiegen.
Ein häufig angesprochenes Thema bei der Vorstellung des Kriminalstatistiken war der Alkoholeinfluss bei Straftaten. Bayern beispielsweise verwies auf teilweise deutliche Anstiege für Taten unter Alkoholeinfluss, insbesondere bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Bei 53% von Gewaltdelikten waren die heranwachsenden Tatverdächtigen alkoholisiert. Auch in Niedersachsen lag diese Quote bei ca. 50%. Als Gegenmaßnahme kündigte hier Innenminister Schünemann an, dass die niedersächsischen Polizei verstärkt unbegleitete Kinder und Jugendliche, die in der Öffentlichkeit Alkohol konsumieren, kontrollieren werde. Als polizeilichen Maßnahmen sollen dann neben der Identitätsfeststellung und Verhinderung des weiteren Alkoholkonsums Kinder und Jugendlichen ihren Eltern gegen Transportgebühr (meist ca. 65 EUR) zugeführt werden. Verstärkt sollen auch Abi-Feiern, Volksfeste oder andere Wochenendveranstaltungen ins Auge gefasst werden.
Ohnehin richten die Innenminister das Augenmerk in starkem Maße auf Jugendliche und Heranwachsende. Grund ist, dass dies die Altersgruppen sind, in denen der Anteil an Tatverdächtigen am höchsten ist. In Nordrhein-Westfalen wurden 7,5% aller Jugendlichen (14 bis unter 18 Jahre) und 8,1% aller Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) als Tatverdächtige aktenkundig. Zum Vergleich: nur 2,4% aller Erwachsenen (über 21) und 2% aller Kinder (8 bis unter 14 Jahre). Aus Nordrhein-Westfalen wurde allerdings auch gemeldet, dass der langfristige Trend bei der Kriminalität der unter 21jährigen langsam aber kontinuierlich nach unten gerichtet sei. Vorgestellt wurden in mehreren Bundesländern auch spezielle Maßnahmen gegen jugendliche Intensivtäter. In Nordrhein-Westfalen wurden rund 1.300 identifiziert, für die jeweils zusammen mit anderen Einrichtungen und Dienststellen Interventionskonzepte entwickelt werden.
Während die Zahl der Kfz-Diebstähle weiter zurückgeht, wächst die Zahl der Kfz-Aufbrüche. Diebe, oft in Banden organisiert, haben es dabei insbesondere auf Navigationsgeräte abgesehen, die diese dann wieder über Auktionsbörsen im Internet verkaufen. Bereits eine leere Halterung für Navigationsgeräte oder auch nur der Abdruck des Saugnapfes seien, so die Polizei in Nordrhein-Westfalen, Anreize, das Fahrzeug aufzubrechen. Das LKA Nordrhein-Westfalen bietet deshalb nun einen downloadbaren "Navipass", ähnlich dem Fahrradpass, an, damit aufgefundene Beute wieder dem Besitzer zugeordnet werden kann.
Zu den Straftaten, die zugenommenen haben, gehört in einigen Bundesländern auch die Zahl der "sonstigen Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum", in Rheinland-Pfalz beispielsweise um 25,5%. Zurückgeführt wird dies unter anderem auf eine verstärkte Bereitschaft, Graffiti und andere, auch geringfügige, Sachbeschädigungen konsequent anzuzeigen.
Unterschiedlich in den Bundesländern waren, ohne dass dafür Gründe offensichtlich wurden, Entwicklungen bei der Gewaltkriminalität. In manchen Bundesländern gab es hier deutliche Zuwachsraten (zum Beispiel in Brandenburg: +10,4%), in anderen nur einen leichten Anstieg oder auch leichte bis stärkere Rückgänge (Hamburg: -1,2%, Hessen: -3,4%, Saarland: -7,9%). Auch bei den Wohnungseinbrüchen oder bei der Wirtschaftskriminalität, wo einzelne Vorgänge mit einer Vielzahl von Geschädigten auch als Vielzahl von Fällen in die Statistik eingehen, war das Bild uneinheitlich. Überwiegend Steigerungsraten gab es im Bereich der Wirtschaftsdelikte beim Betrug im Internet und auch bei den Urheberrechtsverletzungen zuungunsten der Musikindustrie. ges

Kriminalitätsbelastung in den Bundesländern im Jahr 2007

Straftaten im Jahr 2007Veränderungen +/-Vergleich
BundeslandHZabsolut2007/20062006/052005/042004/032003/02
Bayern5.338666.807-1,0%-1,3%-4,5%1,1%1,9%
Baden-Württemberg5.694611.4330,3%-1,4%0,2%3,2%1,3%
Thüringen6.366147.118-2,0%-1,5%-7,2%-0,7%-0,4%
Hessen6.925420.725-1,5%-3,3%-4,4%1,7%5,5%
Saarland7.07673.813 -6,8%2,6%-0,5%3,9%2,8%
Rheinland-Pfalz7.116288.398-3,5%0,3%-0,9%4,4%2,5%
Sachsen7.250308.1060,1%-3,2%-5,2%-4,8%4,8%
Niedersachsen7.605607.0750,6%0,3%2,4%-1,1%-2,4%
Nordrhein-Westfalen8.2941.495.3330,2%-0,8%-1,8%2,3%2,5%
Schleswig-Holstein8.560242.6150,1%-0,6%-5,0%-2,5%2,5%
Sachsen-Anhalt8.875216.7040,5%-0,2%-5,4%-0,2%-3,0%
Brandenburg8.889226.4661,7%-2,2%-4,9%-2,5%0,6%
Mecklenburg-Vorp.8.900150.736-1,0%-4,7%-10,4%-4,9%7,6%
Hamburg13.513237.0480,2%-3,4%-6,3%-3,7%0,8%
Bremen14.47796.1210,6%-1,2%-4,6%6,6%-0,2%
Berlin14.835496.163-0,1%-2,4%-5,7%-4,3%-3,4%
Bundesrepublik6.284.661-0,3%-1,4%-3,1%0,9%1,0%
HZ = Häufigkeitszahl = Straftaten je 100.000 Einwohner
[die in der Print-Ausgabe (WIK 2/2008) abweichend angegebene Veränderung von bundesweit -0,2% beruht auf einem Rundungsfehler - wir bitten um Entschuldigung]
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